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Uwe Kopf: <br>Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe
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Uwe Kopf:
Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe

„Bevor sich dieser 40-jährige Junge nach Art der Greise erhängen wird, wäscht er nochmal Wäsche, das Waschmittel muss wie immer Sunil sein (»Top Sauberkeit, rechnen Sie mit dem Besten«), auch seine Mutter hat nur Sunil an ihre Wäsche gelassen, und während die Waschmaschine läuft, bestellt er sich eine Pizza (mit Salami, Spinat und Bratkartoffeln), dazu drei Dosen Bier (Warsteiner, er mag dieses Tantenbier eigentlich nicht, aber der Pizzadienst führt keine andere Sorte), er muss auch noch ein Geschenk einpacken, die Freundin seines Bruders hat morgen Geburtstag, sie kriegt eine Flasche Parfüm (von Lagerfeld, Sun Moon Stars), das gleiche Parfüm benutzt auch die Geliebte, die Unvergleichliche, die Sau, die Verräterin.“

Tom wird Jesus genannt. Weil er so viel Herz hat und seine Haare wie Jesus trägt. Seine Sanftmut beeindruckt Mädchen und später Frauen, seine Schulkameraden halten ihn für schwul. Seine Mutter besorgt ihm »was Sicheres«, einen Ausbildungsplatz, aber Chemiefacharbeiter will Tom nicht werden.

Stattdessen versucht er sich als Briefträger, hört Musik von Rory Gallagher, schaut Horrorfilme, trinkt Jever mit seinem Bruder Sören und Freund Lori. Doch auf jeden Rausch, auf jeden Hoffnungschimmer folgt Ernüchterung. Am Ende steht nur noch die Frage, ob auf seiner Beerdigung Das Lied der Schlümpfe gespielt wird, so wie Tom es sich gewünscht hat.

Uwe Kopf  verwandelt die Geschichte seines Bruders in große Literatur, die das Scheitern und den Tod umkreist und doch das Leben verteidigt. Die elf Gehirne der Seidenspinnerraupe ist ein Roman, der über menschliche Größe und Untiefen in scheinbaren Augenblicken erzählt, und zugleich ein Kaleidoskop des kleinbürgerlichen und prekären Hamburgs der siebziger, achtziger, neunziger Jahre.


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